[Blogtour] Dare Not Speak Its Name – Queere Identität im historischen Roman

Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist, LGBTQ-Geschichte nicht unter den Teppich zu kehren.

Von Oscar Wilde, Sherlock Holmes und dem Ungesagten

Zum Umgang mit Homo- und Bisexualität im neunzehnten Jahrhundert habe ich bereits einmal gebloggt, auch eine Biographie Oscar Wildes und eine Zusammenfassung der Verhandlungen gegen ihn lassen sich auf diesem Blog finden. Hier möchte ich ganz zu Beginn ansetzen, denn hier beginnt, womit ich mich heute auseinandersetzen werde. Es bleibt zu diskutieren, ob die als homoerotisch gewerteten Passagen aus Wildes „Das Bildnis des Dorian Gray“, erschienen als Roman im Jahr 1891, zu seiner Verurteilung und Inhaftierung geführt haben. Zu dem Bild, dass die breite Öffentlichkeit sich während der Verhandlungen von 1895 machte, haben sie allerdings sicherlich beigetragen. Eine der Textstellen, die in der Originalausgabe des Romans, erschienen im Lippincott’s Monthly Magazine ab 1890, vorhanden war, in der 1891 veröffentlichten Buchausgabe jedoch nicht mehr, lautete wie folgt:

Es ist wahr, dass ich dich mit sehr viel romantischeren Gefühlen verehrt habe, als ein Mann einem Freund für gewöhnlich entgegenbringt. Aus irgendeinem Grund habe ich niemals eine Frau geliebt. Ich glaube, ich hatte niemals die Zeit. Vielleicht ist es, wie Harry sagt: Eine grande passion ist das Privileg derer, die nichts zu tun haben, und das ist der Nutzen der untätigen Schichten eines Landes.

Eigentlich ganz harmlos, aber zu offensichtlich, zu viel für die Viktorianer. Wildes Verlag riet ihm, Szenen wie diese aus der Romanversion zu streichen. Die Liebe des Malers Basil Hallward für den Titelhelden Dorian Gray wird jedoch auch aus der „zensierten“ Version noch deutlich genug, wenn man weiß, wonach man suchen muss. Es war schließlich nicht so, dass die Viktorianer keine Mittel und Wege kannten, trotz der strengen sozialen Einschränkungen zu sagen, was sie sagen wollten.

Die Sherlock-Holmes-Romane von Sir Arthur Conan Doyle (der 1889 bei einem zufälligen Treffen mit Wilde in einem Hotel überhaupt erst den Grundstein für „Das Bildnis des Dorian Gray“ legte) werden bis heute schärfer diskutiert. Holmes und Watson. Sind sie, sind sie nicht? Die Anzeichen sind da, eine klare Antwort gibt es nicht. Ob Sir Arthur Conan Doyle einen Subtext intendiert hat oder nicht werden wir so einfach nicht mehr erfahren, doch hätte er es gewollt, viel deutlicher hätte er es nicht machen dürfen. Ein weiteres Beispiel ist die Vampirnovelle „Carmilla“ von 1872, verfasst von Joseph Sheridan Le Fanu, in dem die Anziehung zwischen den Protagonistinnen Carmilla und Laura ebenfalls so deutlich angesprochen wird, wie eben möglich. Und das bringt mich zu meinem ersten Punkt: LGBTQ-Figuren waren immer ein Teil von Unterhaltungsliteratur, auch wenn das ungeschulte moderne Auge die Codewörter und Hinweise nicht ohne Weiteres verstehen mag.

Und genau wie es schon immer LGBTQ-Figuren in der Fiktion gab, gab es Menschen, die wir heute der LGBTQ-Community zuordnen würden, ebenfalls schon immer. Homo-, Bi- und andere Sexualitäten sind schließlich keine Erfindungen des frühen zwanzigsten Jahrhunderts, was offensichtlich klingen mag, es für viele Menschen jedoch leider nicht ist. Nur weil etwas ungesagt bleiben muss, aus gesellschaftlichen Gründen, weil das Aussprechen das eigene Leben in Gefahr bringen kann, bedeutet das nicht, dass es nicht da ist. Nur weil jemand niemals offen zu seiner Sexualität stehen konnte, löscht das diese Sexualität nicht aus. Viel darüber gesprochen wird bis heute nicht. Oscar Wilde, trotz seines tiefen Falls und seiner großen Bedeutung für die queere Geschichte, wird in den Schulen höchstens rein literarisch behandelt. Ebenso Walt Whitman, Gertrude Stein, Virginia Woolf.

Wenn von der großen Virginia Woolf geredet wird, dann von ihren Romanen und ihrem Selbstmord, aber selten von ihrer Beziehung zu Vita Sackville. Vieles bleibt immer noch ungesagt. Queere Geschichte, Schriftsteller, die mehr oder minder offen homo- oder bisexuell waren, werden heute zwar gefeiert, doch ihre Sexualität ist noch immer ein Thema, über das viele schweigen möchten. Aber es gab sie. Es gab andere wie sie, zu allen Zeiten. Es gab Menschen wie Alan Turing, der den Briten im Krieg große Dienste leistete, aber trotzdem seiner Homosexualität wegen verurteilt und in den Selbstmord getrieben wurde. Heute reden wir von seiner Entschlüsselung der Enigmamaschine, aber sein Leid, seine Sexualität, sind höchstens mal einen Nebensatz wert. Begnadigt wurde er übrigens erst im Jahr 2013.

Und deshalb ist es so wichtig, dass wir als moderne Schriftsteller versuchen, auch queerer Geschichte Raum in unseren historischen Romanen zu geben. Zu würdigen, was diese Menschen trotz scharfer Diskriminierung erreicht haben. Das Leid hervorzuheben, aber auch den Stolz und die bunte Subkultur, die nicht nur in sich faszinierend ist, sondern den „Mainstream“, Kunst, Musik, Mode und Literatur, auch zu jeder Zeit stark beeinflusst hat.

Schattenseiten, Glanzmomente

Mein erster historischer Roman mit einem homosexuellen Protagonisten war Aline Sax’ „Eine Welt dazwischen“, das heute nur noch antiquarisch erhältlich ist. Zurückblickend ist es ein emotionales Buch, aber nicht das beste seiner Art, das ich gelesen habe. Ich war fünfzehn damals und ich habe praktisch alles gelesen, was irgendwie halbwegs von Menschen handelte, die im neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert nach Amerika auswanderten. Ich war fasziniert von Auswanderergeschichten und „Eine Welt dazwischen“ war genau so ein Buch: Es spielt 1910 und handelt von einem Achtzehnjährigen, der Belgien verlässt, um in New York neu beginnen. Was „Eine Welt dazwischen“ von den tausend anderen Auswandererromanen, die ich gelesen habe, unterscheidet ist, dass der Protagonist sich in New York in einen Jungen verliebt.

Sax kratzt in vielem nur an der Oberfläche, doch es gelingt ihr, einen Einblick in ein New York zu schaffen, das in den meisten historischen Romanen verborgen bleibt, gar nicht zu existieren scheint. Das queere New York des anbrechenden neunzehnten Jahrhunderts, eine blühende Subkultur, die das gesellschaftliche Zusammenleben in New York um 1910 stark beeinflusst hat – und von der die meisten Menschen heute nicht einmal mehr wissen, dass sie jemals in dieser Form existiert hat. Wie meine regelmäßigen Leser sich vielleicht noch wissen, interessiere ich mich sehr für soziale Geschichte, Mikrogeschichte im Kleinsten, Einzelschicksale, und ich kann euch sagen, dass es meistens keinen Spaß macht die queeren Subkulturen von New York, London, Paris, Hamburg und Berlin der Belle Époque zu recherchieren. Die Forschung ist da, aber sie kommt erst seit ein paar Jahrzehnten so wirklich in Fahrt und es ist nicht so leicht, an Informationen zu kommen, obwohl einem sehr bald aufgeht, dass diese Subkulturen zwar etwas Geheimes waren, aber niemals etwas Kleines.

Die Londoner Unterwelt, in der sich die queere Szene im späten neunzehnten und frühen zwanzigsten Jahrhundert zum großen Teil abspielte, eben, weil es geheim geschehen musste, war nicht etwa etwas, das Adel und Bourgeoisie nicht tangierte. Jeder wusste, dass sie existierte und jeder und sein Onkel machte sich Gedanken darum, dass sie existierte und was sie für das Fortbestehen des großen britischen Empires bedeuten mochte. Die große Moralpanik in Großbritannien des späten neunzehnten Jahrhunderts habe ich ebenfalls schon einmal erwähnt, in meinem Artikel zu Fanny und Stella, eine Geschichte, die übrigens keine Geringere als Barbara Ewing in ihrem Roman „The Petticoat Men“ aufarbeitet. Ich habe ihn noch nicht gelesen, daher erstmal keine Wertung. Aber es gibt ihn und das ist ja auch schon viel wert.

Der einzige Roman, der mir bis jetzt in die Hände gefallen ist, der dieses Zusammenspiel zwischen gutbürgerlicher Rechtschaffenheit und Unterwelt jedoch wirklich detailliert und authentisch zu vermitteln vermochte, ist „Ich, Adrian Mayfield“ von der niederländischen Autorin Floortje Zwigtman.

Zwigtman spiegelt die Gesellschaft des fin de siècle nicht nur wider, sie erweckt sie zum Leben. Ihre Trilogie dreht sich um den sechzehnjährigen Adrian, homosexuell und zu Beginn ziemlich allein mit dieser Tatsache. Nach und nach schildert Zwigtman die Ereignisse der 1890er Jahre, zeigt die schillernde Bohème Londons, ohne unter den Teppich zu kehren, dass ein großer Teil von ihr nach heutigen Standards LGBTQ war, sie zeigt die Diskriminierung und die Schattenseiten der Londoner Unterwelt, aber auch die glänzenden Seiten, die Wilde-Prozesse und seine Folgen und das bis zum Schluss ohne den Funken Hoffnung erlischen zu lassen. Kurz gesagt, sie schafft ein rundes Bild des viktorianischen Londons, wie es wirklich gewesen ist, denn wegzudenken war die queere Subkultur damals nicht und ihr Fehlen in vielen historischen Romanen ist ein Loch in der Geschichte der Stadt selbst.

Ein weiteres Beispiel ist Sarah Waters, die seit einigen Jahren schon historische Romane über lesbische Frauen schreibt und veröffentlicht und darin nicht nur aufzeigt, wie lesbische und bisexuelle Frauen, die oft vernachlässigt werden, so leider auch von Sax und Zwigtman, im viktorianischen England lebten, sondern dabei ebenfalls auf die Rolle der Frau an sich im langen neunzehnten Jahrhundert eingeht. Sie schreibt über Frauen, die ausbrechen und das meist in der Form von spannenden Abenteuerromanen. „So lange du lügst“ ist die Geschichte einer armen Taschendiebin, die sich in ein reiches Mädchen verliebt, vermischt mit einer mitreißenden Thrillerhandlung. „Die Muschelöffnerin“ die einer jungen Frau, die in eben jene viktorianische Halbwelt Londons eintaucht und dort ihre Bestimmung findet. Sarah Waters schreibt Geschichten, wie sie vielleicht ein moderner Charles Dickens schreiben würde, und das mit lesbischen Frauen in den Hauptrollen.

Ebenfalls gefallen hat mir Victoria Schlederers phantastischer Roman „Des Teufels Maskerade“, in dem um die Bisexualität des Protagonisten einfach kein großer Aufriss gemacht wird. Der Roman entführt in das Prag zu Zeiten der k.u.k.-Monarchie und ist auf ganz viele Arten besonders, eben einerseits dafür, dass Dejan Sirco bisexuell ist und sein darf, ohne großes Drama oder Trara – Dabei tut Schlederer keinesfalls so, als hätte es um 1909 keinerlei Diskriminierung gegeben, doch sie baut das fließend ein, als eins von vielen Problemen Dejans, nicht als großer Schatten, der Tag und Nacht über seiner Existenz hängt, wie man es leider aus anderen Romanen kennt. Ein weiterer Roman stammt ausgerechnet aus der Feder der Outlander-Autorin Diana Gabaldon, die Lord John Grey, einer Nebenfigur aus ihren Outlander-Romanen, eine eigene Spin-Off-Trilogie widmete, beginnend mit dem Roman „Das Meer der Lügen„.

Während sie die Stigmata und auch die Diskriminierung gegen homosexuelle Männer in England in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts realistisch und teilweise auch schmerzhaft zeigt, gelingt auch ihr ein schönes Portrait von queerer Identität im georganischen Zeitalter. John ist ein großartiger Held, der sich nicht unterkriegen lässt, und die drei Lord-John-Romane (plus mehrere ebenfalls lesenswerte Novellen) sind spannende historische Krimis, die ebenfalls einen Einblick in die queere Subkultur Londons bieten, den nicht viele Romane zulassen.

Ein Nachwort

Leider funktioniert das Einbinden queerer Geschichte in historische Romane nicht immer so faszinierend und interessant. Oft nutzen Autoren historischer Romane LGBTQ-Figuren, um für noch mehr Drama und Tragik zu sorgen. LGBTQ-Figuren leiden, sterben und verenden in Gefangenschaft. Natürlich ist es wichtig, auch die tragischen und gefährlichen Aspekte aufzuzeigen, denn die Diskriminierung war schließlich real und leider nahmen viele Menschen ihretwegen ein tragisches Ende. Doch oft fehlt der Ausgleich, den Bücher wie die von Sarah Waters und Floortje Zwigtman immer anbieten, oft fehlt die Darstellung queerer Subkultur und Identität als etwas Bereicherndes, etwas, das auch glücklich machen kann, trotz allem. LGBTQ-Figuren im historischen Roman sollten nicht nur Katalysator für Tragödien sein, oder Nebenfiguren, die man bemitleiden kann. Es sollte mehr als das geben.

Die Romane von Oscar Wilde, die Gedichte von Walt Whitman, die Musik von Freddie Mercury und vieles mehr hatten großen Einfluss auf unsere Gesellschaft, sie machen bis heute Menschen glücklich und sie sind im Kontext queerer Subkultur entstanden. Dass Mercury bisexuell war ist niemals nur eine Randerscheinung, es ist Teil seiner Identität. Und ebenso gilt das für Romanfiguren. Es sollte mehr historische Romane geben, in denen es LGBTQ-Figuren nicht nur erlaubt ist, Helden zu sein, sondern außerdem glücklich zu werden, trotz aller Widrigkeiten, in denen „queer sein“ nicht nur etwas Schlechtes ist, unter dem man leidet und leidet und leidet, sondern auch etwas Bereicherndes, das keine Last ist, sondern ein Teil der eigenen Identität, der wichtig ist und nicht nur ein Problem.

Dieses Abstempeln von queerer Identität als etwas Schlechtes muss nicht immer so krass erfolgen wie in Sandra Regniers Jugendroman „Die Stunde der Lilie“, in dem der übrigens auch im wahren Leben homosexuelle Philippe de Bourbon, Bruder des berühmten Sonnenkönigs Louis XIV. von Frankreich, seiner Homosexualität wegen als lächerlich und böse dargestellt wird (Gott sei Dank gibt es die Serie „Versailles“, in der Philippe ein sehr viel vielschichtigerer Charakter ist). Oft ist die Abstemplung von LGBTQ-Figuren als tragische, leidende Märtyrer sehr viel subtiler und sicherlich nicht immer böse gemeint. Falsch ist sie trotzdem. Selbst Alan Turing war laut eines engen Freundes trotz allem, was ihm widerfahren ist, lange Zeit glücklich. Er hat etwas erreicht, etwas Außergewöhnliches. So auch Wilde, trotz des tiefen Falls. Nicht zu schweigen von all den LGBTQ-Menschen, die kein tragisches Ende nahmen, sondern tatsächlich ihr Glück fanden, wie Gertrude Stein und ihre Lebenspartnerin Alice B. Toklas. Wo sind diese Figuren in historischen Romanen?

In vielen historischen Romanen sind LGBTQ-Figuren nur zum Leiden und Sterben da und das ist zu einseitig. Viel zu einseitig. Das ist kein authentisches Bild von queerer Geschichte, die so interessant und wichtig ist. Es stigmatisiert LGBTQ, historisch wie modern, als etwas, das nur unglücklich machen kann, eine Last, ein Problem, das einen in den Abgrund treiben wird und das muss nicht sein. Ein Anfang wäre eine bessere Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman. Geschichten können Verständnis schaffen und Identifikationsfläche bieten und Verständnis für und Identifikation mit viel zu lange totgeschwiegener queerer Geschichte im historischen Roman wäre ein großer Schritt in eine gute Richtung. Mehr Zwigtmans bitte. Weniger Schweigen und Vertuschen und Nicht-Aussprechen.

Sicherlich gibt es da draußen noch viele weitere tolle queere historische Romane, die ich noch nicht kenne. Falls ihr welche kennt, empfehlt sie mir ruhig in den Kommentaren!

8 comments Add yours
  1. Ein wundervoller Artikel und so ziemlich das Beste, was ich zu dem Thema gelesen habe. Schön differenziert und ohne sich in Klischees zu ergehen und dazu auch noch so interessant, dass ich jetzt große Lust habe, diese Romane alle zu lesen. Bisher kennen ich nämlich tatsächlich nur Dorian Gray, der dafür einer meiner Lieblingsromane ist. Aber du hast da echt tolle Beispiele gebracht 🙂

    1. Danke! <3 Der Dorian gehört auch zu meinen absoluten Lieblingsbüchern, mal gucken, wie dir die anderen gefallen werden!

  2. Mein liebstes Beispiel ist ja immer „Der Graf von Monte-Christo“. In den meisten deutschen Ausgaben rauszensiert, gibt es in der Originalausgabe eine Szene, in der die ausgebüchste Tochter von Monsieur Danglars wieder eingefangen wird.
    Man findet sie – die übrigens als Crossdresserin unter männlichem Namen eingecheckt hat – mit ihrer Gesellschafterin im Bett in einem Hotelzimmer wieder.
    Naiv, wer sich dabei nichts denkt :).

  3. hi, schön, dass du wieder bloggst! Klar, es ist schade, wenn die queeren Figuren nur für Drama benutzt werden und sterben. Ich gebe zu, dass queere historischer Romance natürlich oft wiederrum etwas schön gefärbt ist. Jedoch liebe ich das Genre einfach, weil ich es so schön finde Geschichten zu lesen, in denen queere Paare gezeigt werden, die trotz allem glücklich zusammen sind. Denn ich bin mir sicher, dass es sie auch gegeben hat. Zwigtmann und Waters sind einfach die Queens des Genre. Ich liebe ihre Bücher. Was mir hier noch fehlt ist E.M. Forsters Maurice. Eins der wenigen Bücher, die zu der Zeit geschrieben wurden und ein Happy End haben, auch wenn das Buch erst viel später veröffentlicht wurde.
    Meine Lieblingsautorin im Gay Romance Genre ist KJ Charles. Aber es gibt noch einige mehr, die im Genre schreiben. Sie hat mich auch inspiriert, selbst im Genre zu schreiben.
    Ansonsten gibt es einige Bücher, die ich noch lesen möchte. „Die Partitur der Gewalt“ von Romy Wolf, die Bücher von Mary Renault und Madeline Miller und noch mehr von Sarah Waters.

    1. „Maurice“ habe ich nicht genannt, weil ich das Buch tatsächlich noch nicht gelesen habe! Das werde ich natürlich noch tun, sobald ich dazu komme. Historische Gay Romance gefällt mir ja aus mehreren Gründen nicht so gut (vielleicht habe ich auch einfach die falschen Titel erwischt), aber KJ Charles ist da für mich tatsächlich eine Ausnahme, die mag ich auch. <3 "Das Lied des Achill" von Madeline Miller wollte ich erst mit erwähnen, weil es ein so schönes Buch ist, aber dann war es mir zeitlich von meiner Epoche doch zu weit entfernt.

  4. Ich schreibe derzeit an einem Steampunkroman und muss sagen, dass ich immer tiefer in die Gesellschaft des 19. Jahrhunderst abtauche. Spannend. Ganz besonders dein Beitrag hier zu den queeren Figuren damaliger Romane, als auch in der tatsächlichen Gesellschaft. Ein Thema, an das ich mich bislang nicht herangetraut habe. Allerdings muss ich auch sagen, dass Beziehungen an sich – außer der zwischen Geschwistern (keine Liebesbeziehung!) – keine große Rolle im derzeitigen Projekt spielen. Gerade die Subkulturen interessieren mich. Ich hatte da schon so die Vermutung, dass diese nicht gerade klein waren. Danke für die Bestätigung.

    Deine Buchtipps klingen spannend. Da werde ich mal reinschnuppern.

    Besonders wichtig finde ich deinen Satz: „LGBTQ-Figuren im historischen Roman sollten nicht nur Katalysator für Tragödien sein, oder Nebenfiguren, die man bemitleiden kann. Es sollte mehr als das geben.“ Ich denke auch, dass Figuren nicht der Tragik wegen eingeführt werden sollten, sondern weil sie eine tatsächliche Daseinsberechtigung für den Roman haben und ihn bereichern mit ihrer vollständigen Identität.

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