[Blogtour] Dare Not Speak Its Name – Queere Identität im historischen Roman

Im historischen Roman sind LGBTQ-Figuren leider noch immer eine Seltenheit. Autoren wie Diana Gabaldon, Floortje Zwigtman und Jan Gillou machen zwar vor, dass es auch anders geht, doch für viele Autoren von Romanen mit historischem Setting scheint es noch undenkbar zu sein Figuren einzubauen, die wir heute der LGBTQ Community zuordnen würden. Im Rahmen von Meara Finnegans Blogtour mit dem Thema „Phantastische Realität“ möchte ich mich heute mit der Aufarbeitung queerer Geschichte im historischen Roman beschäftigen, sowie mit den historischen Hintergründen und warum es gerade im historischen Roman wichtig ist, LGBTQ-Geschichte nicht unter den Teppich zu kehren. (mehr …)

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Bonjour Belle Époque!

Cléo de Mérode, ca. 1900

Leider hat es länger gedauert, als mir lieb gewesen wäre, doch jetzt ist das Gaiety Girl offiziell wieder da. Herzlich Willkommen auf meiner neuen Seite, die euch hoffentlich genauso gut gefallen wird, wie mir. Noch sind nicht alle älteren Artikel an das Format der neuen Website angepasst und sehen ein bisschen aus, wie Kraut und Rüben, aber das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen alles einfinden, sodass ihr bald wieder ganz wie gewohnt Spaß am Gaiety Girl haben könnt.

Es hat sich allerdings nicht nur das Design und die Adresse verändert. Nun habe ich mein Herzensprojekt Gaiety Girl fast ein ganzes Jahr vernachlässigt, einerseits, weil ich an der neuen Website gearbeitet habe, andererseits, weil ich mit meinem Studienabschluss sehr viel um die Ohren hatte – aber auch, weil ich mich gefragt habe, in welche Richtung das Blog ab jetzt gehen soll. Früher habe ich meine Artikelthemen sehr willkürlich ausgewählt. Berühmtheiten, Epochen, Orte und Events, alles war dabei. Das möchte ich natürlich nicht vollkommen aufgeben, aber ich würde dem „Gaiety Girl“ gern ein bisschen mehr Richtung geben, weshalb ich mir ein paar Themen für Artikelreihen überlegt habe, die ich in den nächsten Wochen anfangen möchte. Ich hoffe, sie werden euch gefallen! (mehr …)

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Der Fall Gouffé – Ein Medienspektakel der Belle Époque

Der „Petit Parisien“ vom 2. Februar 1890

Am 26. Juli 1889 wird der Gerichtsdiener Toussaint-Augustin Gouffé aus Montmartre vermisst gemeldet. Am 15. August desselben Jahres wird weit weg von Paris, in Vernaison bei Lyon, ein großer Stoffbeutel unter einem Busch am Straßenrand gefunden. Darin befindet sich die Leiche eines Mannes. Im November kann der Arzt Alexandre Lacassagne mithilfe von Haarproben und eines brandneuen forensischen Vorgehens mit Sicherheit feststellen, dass es sich bei dem Toten um den vermissten Gouffé handelt. Der Mann aus Paris wurde erdrosselt. Doch was ist passiert? Wer hat Gouffé ermordet und wie kam seine Leiche von Paris bis nach Lyon?

Aus dem Mord an Toussaint-Augustin Gouffé wird das wohl größte französische Medienspektakel der Belle Époque. Dass der Tote aus Paris stammte und im Juli ermordet worden sein musste, ließ sich anhand einer großen Holzkiste feststellen, die zwei Tage nach dem Toten in der Nähe des Fundorts gefunden wurde: Ein Zettel an der Kiste bewies, dass die Kiste am 27. Juni 1889 mit der Bahn von Paris nach Lyon gelangt war – und der tote Gouffé mit ihr. Befragungen der Nachbarn und möglicher Zeugen ergaben, dass zwei bekannte Betrüger in der Nähe des Gerichtsdieners gesehen worden waren: Michel Eyraud und die erst 21-jährige Gabrielle Bompard. Noch verdächtiger war, dass das Paar am 27. Juli Hals über Kopf die Stadt verlassen hatte. Nach den Untersuchungen im November wurde aus dem Verdacht Gewissheit: Ein Londoner Schreiner gab an, die Holzkiste früher im Jahr an Eyraud und Bompard verkauft zu haben. (mehr …)

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Sarah Bernhardt – Die Königin der Bühne

Sarah Bernhardt als die Königin in „Ruy Blas“, 1897, Georges Jules Victor Clairin

Um den 22. Oktober 1844 herum wird Sarah Bernhardt als Sara Marie Henriette Rosine Bernardt in Paris geboren. Noch weiß niemand, dass aus der kleinen Sara eine der bedeutensten Schauspielerinnen nicht nur der Belle Époque, sondern aller Zeiten werden wird. Sie ist die Tochter einer bekannten Pariser Kurtisane, wer ihr Vater ist, ist unbekannt.Sarahs Mutter, Julie Bernardt, schickt ihre Tochter als junges Mädchen auf eine Klosterschule in der Nähe von Versailles. Später wird Sarah im Conservatoire de Paris unterrichtet, einer Schule für Gesang, Schauspiel und Theater, bevor sie dem Staatstheater Comédie-Française beitritt. Hier hat sie 1862 im Alter von achtzehn Jahren ihren ersten richtigen Bühnenauftritt.

Sie spielt die Hauptrolle in „Iphigénie“, einem Stück des französischen Autoren Jean Racine aus dem frühen Barock. Lange spielte sie die Rolle allerdings nicht: Die Kritiker waren nicht begeistert und nachdem Sarah eine andere Schauspielerin, die mit ihrer Schwester in Streit geraten war, geschlagen hatte, wurde sie vom Theater ausgeschlossen. Nach diesem Rückschlag scheint Sarahs Karriere vorbei. (mehr …)

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Effie Gray – Das Liebesdrama des Jahrhunderts

Euphemia Gray portraitiert von Thomas Richmond, 1851

Am zehnten April des Jahres 1848 heiratet John Ruskin, angesehener Kunstkritiker, Schriftsteller und Künstler des frühen viktorianischen Englands, die neun Jahre jüngere Euphemia Gray, die Tochter eines Freundes seiner Familie. Euphemia, kurz Effie, war keine Fremde für Ruskin. Tatsächlich schrieb er seinen Roman „Der König des Goldstroms“, ein Kunstmärchen, für die damals zwölfjährige Effie. Die Heirat aber war nicht Ruskins eigene Idee, sondern wurde den beiden von Familie und Freunden nahegelegt, da man durch die enge Bindung zwischen den beiden davon ausging, dass sie ein gutes Paar abgeben würden.

Effie war an ihrem Hochzeitstag zwanzig Jahre alt, John Ruskin bereits neunundzwanzig. Inwieweit die beiden Partien glücklich mit der Entscheidung zu heiraten waren, ist nicht genau zu sagen. Es ist aber anzunehmen, dass besonders John Ruskins romantisches Interesse an Effie bald abklang, denn auf ihren gemeinsamen Reisen auf den europäischen Kontinent soll er sich lieber zurückgezogen und die Architektur studiert haben, als mit Effie zu sozialisieren. (mehr …)

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Mode 1910: Zwischen Krieg & Korsett

Brooklyn Museum Costume Collection at The Metropolitan Museum of Art, Gift of the Brooklyn Museum, 2009; Gift of Mrs. Gifford B. Pinchot, 1962

Die 1910er sind ein bewegtes Jahrzehnt. Sie beenden die Belle Époque, sie beenden das edwardianische Zeitalter, sie beenden das deutsche Kaiserreich und die Ära der Romanows in Russland. Der politische und gesellschaftliche Umbruch, auf den Europa schon seit einigen Jahrzehnten zuschlittert, kommt plötzlich und verändert innerhalb weniger Jahre die Welt komplett. Im Jahr 1912 sinkt die Titanic und reißt rund 1500 Menschen mit sich in die Tiefe. Zwei Jahre später wird in Sarajevo der österreichische Thronfolger erschossen. Der erste Weltkrieg beginnt und dauert von 1914 – 1918, ein Krieg, wie er vorher noch nie dagewesen war. 1916 leitet das Easter Rising die Unabhänigkeit Irlands von Westminster ein.

1917 beendet die Oktoberrevolution die Zarenzeit in Russland, 1918 dankt der deutsche Kaiser ab. Doch nicht nur ist Europa durch den Krieg und große politische Umwälzungen erschüttert, auch schreitet die Technik immer weiter voran. Das Radio gewinnt an Einfluss und Beliebtheit, Albert Einstein stellt seine Relativitätstheorie vor, die ersten langen Spielfilme werden gedreht und die Kunst wird revolutioniert durch neue, moderne Formen. (mehr …)

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Weihnachten in der Belle Époque

Antike Weihnachtskarte, ca. 1900 (Quelle: Graphics Fairy)

Heute ist Heilig Abend. Ich hoffe, dass ihr ein schönes Weihnachtsfest verbringt, mit allem, was dazu gehört, gutem Essen, schöner Musik und ein paar Geschenken. Auch allen Lesern, die kein Weihnachten feiern, möchte ich ein paar schöne Wintertage wünschen.

Zündet ein paar Kerzen an und macht es euch gemütlich, mit einem schönen Buch oder dem Gaiety Girl. Heute möchte ich euch erzählen, wie die Viktorianer Weihnachten gefeiert haben. Denn viele der Weihnachtstraditionen, die wir heute noch pflegen, stammen aus dem neunzehnten Jahrhundert.Welche das sind, erfahrt ihr jetzt. (mehr …)

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Colette – Die Chronistin der Belle Époque

Colette, ca. 1900, Quelle: vogue.it

Sidonie-Gabrielle Colette, viel besser bekannt als Colette,, war eine der einflussreichsten französischen Schriftstellerinnen der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Ihre Karriere als Autorin erreicht ihren Höhepunkt in den 1920er Jahren, 1948 wurde sie sogar für den Nobelpreis in Literatur nominiert. Diese Zeit in Colettes Leben werde ich natürlich auch behandeln, doch wie ihr sicherlich bereits bemerkt habt, ist das die Epoche nach der Belle Époque, also nicht das Hauptaugenmerk des Gaiety Girls. Allerdings war Colette auch während der Belle Époque kein unbekannter Name. Denn der Mythos Colette beginnt bereits im fin de siècle auf den Pariser Varietébühnen auf ganz andere Weise, als man es für eine gefeierte Schriftstellerin annehmen möchte. (mehr …)

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Elisabeth – Die Frau, die nicht Kaiserin sein wollte

Kaiserin Elisabeth von Österreich-Ungarn, ca. 1862

Jeder kennt sie als Sissi – ob gespielt von Romy Schneider in den beliebten Spielfilmen, als Zeichentrickheldin oder als Figur in unzähligen Theaterstücken und Musicals. Sissi ist eine Ikone. Meist dargestellt im ausladenden weißen Kleid, mit Diamanten im langen Haar. Sie ist als exzentrisch bekannt oder als romantisch, als etwas verschroben oder gar eingebildet und weltfremd. Doch wer war eigentlich Elisabeth Amalie Eugenie, Herzogin in Bayern, Kaiserin von Österreich-Ungarn?

Geboren wird das Mädchen, das später Kaiserin von Österreich werden sollte, als zweite Tochter des Max Joseph in Bayern und seiner Frau Ludovica am Heiligen Abend 1837 in München. Sie ist die Enkelin des Königs von Bayern, Maximilian I., und die Nichte des Königs von Preußen, sowie von ihrer späteren Schwiegermutter, Erzherzogin Sophie von Österreich. (mehr …)

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Lily Elsie – Londons hellster Stern

Lily Elsie, 1907

Am achten April 1886 kommt in Armley, das heute zu Leeds in Yorkshire gehört, ein Mädchen namens Elsie Hodder zur Welt. Sie ist die uneheliche Tochter der Schneiderin Elisabeth Hodder, die gleichzeitig ein Gasthaus führt. Im Jahr 1891 bekommt Elsie einen Vater: Ihre Mutter heiratet William Cotton, der in einem Theater als „Gepäckmann“ angestellt ist – also jemand, der auf die Habseligkeiten der im Theater arbeitenden Leute acht gibt und dafür sorgt, das immer alles zur richtigen Zeit am richtigen Fleck ist.

Elsie selbst ist sehr schüchtern, tritt jedoch trotzdem bald als Kinderstar in Manchester in Music Halls auf. Anscheinend kam Elsie, die als „Little Elsie“ in kurzen, meist lustigen Stücken auftrat, nicht bloß über ihren Stiefvater, sondern auch über ihre Mutter zum Theater, die ihren Beruf als Schneiderin in Elsies frühen Jahren aufgab, um Schauspielerin zu werden. Elsie machte bald durch ihre besonders klare Singstimme und ihr Talent, auch die höchsten Töne zu treffen, auf sich aufmerksam. (mehr …)

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Maude Adams – Das Mädchen, das Peter Pan wurde

Maude Adams, ca. 1914

Maude Adams kommt am elften November 1872 als Maude Ewing Adams Kiskadden in Salt Lake City zur Welt. Sie ist die Tochter der Schauspielerin Annie Adams, deren Familie schon mit der Mayflower nach Amerika gekommen war, und des schottischstämmigen James Kiskadden, der in einer Bank arbeitete und verstarb, als Maude noch sehr klein war. Auf der Seite ihrer Mutter stammt Maude aus einer mormonischen Familie, wobei nicht geklärt ist, ob Maude selbst mit der Religion aufgewachsen ist. Nach eigenen Angaben war ihr Vater nicht religiös.

Schon als Kind war Maude auf der Bühne zu sehen: Obwohl ihr Vater dagegen war, nahm ihre Mutter Maude oft mit und bald stand Maude selbst als Kinderschauspielerin im Rampenlicht. Schon mit fünf Jahren war sie in San Francisco, nach einer Tour mit einer Schauspielergruppe durch den amerikanischen Westen, zu sehen. Die meiste Zeit spielte sie in Kalifornien, stand jedoch auch in New York City auf der Bühne. Später kehrte sie nach Salt Lake City zurück, wo sie bei ihrer Großmutter lebte und zur Schule ging. Maude Adams hat später gesagt, dass es ihr als Kind schwer gefallen sei ihre eigene Persönlichkeit zu entdecken, da sie seit sie denken konnte immer wieder in andere Kinderrollen schlüpfte. (mehr …)

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Kindermoden – Vom Kilt bis zum Korsett

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Seidenkleid, 1885, Metropolitan Museum of Art, Geschenk  der Brooklyn Museum Costume Collection,  Gabe von Ester Kachline & Muriel  Purshall (1960)
Letztens habe ich auf Facebook den Vorschlag bekommen, mal einen richtigen Artikel über Kindermoden zu schreiben und diese Idee hat mir sehr gefallen. Was Kinder im neunzehnten Jahrhundert getragen haben, habe ich schon an den verschiedensten Stellen erwähnt, doch einen richtigen eigenen Artikel, der alles zusammenfasst, gibt es noch nicht. Damit möchte ich mich also heute beschäftigen.

Das Konzept der Kindheit 

Denn das neunzehnte Jahrhundert bildet einen richtigen Wendepunkt, was Kindermode angeht. Noch zu Beginn des Jahrhunderts trugen Kinder ungefähr dasselbe, wie Erwachsene, bloß kleinere Ausgaben davon. Das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass das Konzept der „Kindheit“ relativ neu ist. Erst im siebzehnten Jahrhundert begann man überhaupt Kinder nicht mehr als kleine Erwachsene zu verstehen, deren Bewusstsein dem des Erwachsenen gleicht. Dass Kinder geschützt und auf das Leben als Erwachsene vorbereitet werden müssen, ist eine noch neuere Idee. Sie stammt aus der Aufklärung. (mehr …)

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